Interview mit Gerd Hoffmann, Arbeitsvermittler
Guten Tag. Herr Hoffmann? Wir haben telefoniert, erinnern Sie sich?
Hoffmann: Ach ja, das Interview. Ich weiß aber gar nicht, was ich Ihnen sagen soll.
Wir würden mit Ihnen gerne über Sport sprechen.
Hoffmann: Nicht über Arbeitslosigkeit? Ich dachte, über Arbeitslosigkeit.
Gibt es einen Zusammenhang?
Hoffmann: Tja... es macht beides keinen Spaß?
Ist Sport manchmal ein Thema in Ihren Gesprächen mit den Arbeitslosen hier?
Hoffmann: Wir sagen lieber Kunden. Nein, eigentlich nicht. Eigentlich nie. Wenn einer Sportlehrer war vielleicht, aber selbst dann geht es im Gespräch hier um Fristen, Abzüge, Anträge... Dabei könnte Sport manch einem helfen, da haben Sie schon recht.
Stimmt denn das Klischee, dass Arbeitslose nur vor dem Fernseher sitzen und Pizza essen?
Hoffmann: Wie Sie richtig sagen, ist das ein Klischee, dick werden kann man auch im Büro. Ich meine eher den sozialen Aspekt von Sport. Jede Woche mit den Kumpels Fußball spielen oder mit der besten Freundin joggen gehen hält einen in Kontakt mit den anderen. Es gibt ein gemeinsames Thema, das sonst ja oft zugleich mit der Beschäftigung verlorengeht.
Die Mitgliedschaft im Fitnesscenter oder im Tennisclub kann man sich vom Arbeitslosengeld aber nicht mehr unbedingt leisten.
Hoffmann: Dafür wird vielleicht Gartenarbeit attraktiver, wenn man damit zugleich den Speisezettel bereichern kann.
Arbeiten Sie gern im Garten?
Hoffmann: Wenn ich einen hätte...
Brauchen Sie wirklich keinen Sport zum Ausgleich für so viel Büroarbeit?
Hoffmann: Was zum Abreagieren wäre manchmal nicht schlecht. Ich bin für die Leute so etwas wie ein rotes Tuch, oft ihr einziger Ansprechpartner für Geldsorgen und alle anderen Probleme, die die Arbeitslosigkeit so mit sich bringt. Ich bekomme alles zu hören, was sie belastet, und das ist nicht wenig. Dann gehe ich spazieren, im Dunkeln durch die Stadt. Meine Frau hat das nicht so gerne.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Hoffmann. Danke, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben.
Hoffmann: Gern geschehen.
© Nadja Nitsche